Mai-Quinta | 2026 – ZWEI
9207
wp-singular,post-template-default,single,single-post,postid-9207,single-format-standard,wp-theme-central,central-core-1.1.1,ajax_fade,page_not_loaded,

Mai-Quinta | 2026 – ZWEI

14 Mai 2026

Meine 27. Auszeit auf der Quinta Panoramica begann mit einem Besuch meines Bruders in Berlin. Ich kam Abends an, es gab Abendessen und länger über Gott und die Welt sprechen. Ich ging noch ein „schwules Bier trinken“, konnte gut auf dem Schlafsofa pennen. Am Samstag waren wir nach dem Frühstück auf einem Straßenfest vor der Haustür unterwegs. Dort konnte ich die Bestellung von Olaf und Kati kaufen: 3 kg deutscher Spargel. Passte ins Handgepäck.

Es ist heute Donnerstag, einige Tage sind hier in Portugal schon dahin geflossen. Jetzt geht es zum Pferdefüttern. Ich werde später weiterschreiben. Vielleicht.

Ich schreibe weiter. Habe zwischendurch Olaf in Chinicato bei Lagos abgeholt, der dort sein Motorrad zur Reparatur abgab, habe die Küche aufgeräumt und geputzt und genieße jetzt die Ruhe auf der Terrasse. Ich werde in zeitlicher Reihenfolge schreiben.

Der Flug von Berlin nach Faro war gut. Etwas ungewöhnlich war der um einige Minuten verzögerte Abflug. Eine Stewardess lief etwas aufgeregt im vorderen Teil des Fliegers herum, zählte mehrfach die Menschen auf den Plätzen und bat schließlich 6 Freiwillige, sich in den mittleren Teil der Maschine zu setzen. Die Maschine sei vorne zu schwer, so könnten wir nicht starten. Es fanden sich Freiwillige und es ging los.

Mit Handgepäck schnell bei der Mietwagenstation. Ich bekam einen Citroen, mochte anfänglich den Wagen nicht, habe mich inzwischen mit ihm angefreundet.

Ich kam kurz nach Mitternacht auf der Quinta an, alle schliefen bereits. Ich räumte meine Tasche aus, richtete mich im Gästezimmer von Olaf ein. Um halb 2 war ich im Bett. Wieder da. Zufrieden, glücklich, zuhause.

Am Sonntag schaute ich auf den Berg hinter dem Hauptgebäude, besichtigte kurz die neue Solaranlage, die ohne Akkus tagsüber Strom liefert, ging mit Olaf einkaufen.

Huch, ich sehe gerade auf dem Bild, dass Olaf ein schickes Hemd trägt. Von wegen Bauer. Wenn er will, kann er sich saubere Kleidung anziehen, will er halt nicht immer.

Was war los die Tage? Malu ist aktuell hier. Ein 17-jähriges Mädel, eine tolle junge Frau. Aus Hamburg, aktuell von der Schule aus auf einem Auslandspraktikum. Die Herausforderung besteht darin, für Schlafplatz und Essen 4-8 Wochen im Ausland zu sein, dort zu arbeiten. Das tut sie. Sie kann mit Pferden und das richtig gut. Sie kümmert sich um Guru. Guru ist ein reitbares Muli, das seit wenigen Wochen auf der Quinta ist und bereits in der Herde integriert ist. Sie macht Bodenarbeit mit Guru, kümmert sich liebevoll um ihn. Malu ist auf einer Reformschule in Hamburg, die als Stadtteilschule ins System integriert ist, keine Privatschule. Sie hat gestern einigen vom Konzept der Schule erzählt – hört sich richtig gut an. Ich hab Malu schnell in den ersten Tagen lieb gewonnen, eine beeindruckende junge Frau, die im Kopf und emotional extrem weit ist. Ich habe mich kurz gefragt, was bei ihr mit Jungs ist, zugleich gedacht, dass vermutlich kaum ein 17-jähriger Kerl ihr auch nur ansatzweise das Wasser reichen kann. Ich wusste am ersten Tag, dass dieser erste Aufenthalt hier ein Anfang sein wird. Sie wird sicherlich wiederkommen. Sie ist eng an der Seite von Kati, die rechnerisch ihre Mutter sein könnte. Sie verbringen viel Zeit miteinander – wirkt so als würden beide es sehr genießen.

Die Tage waren eindeutig von den Vierbeinern dominiert, eine Entwicklung für mich, die seit einigen Aufenthalten in Gang kam. Ich hatte an 2 Tagen kolossale Tiefenentspannungen mit Pepita, einmal von Kati, einmal von Maike begleitet. Ich erhielt Hinweise, was ich dafür tun kann, dass Pepita neben mir entspannt ist und mit sich arbeiten lässt. Das wichtigste ist, dass ich entspannt bin. Katis Hinweise: 1. Pepita folgt mir, nicht ich Pepita. Bisher war mein Blick sehr auf das gerichtet, was Pepita macht, was zunächst auch nicht verkehrt ist. Was bisher fehlte ist das Pendeln zwischen dem Blick auf Pepita, dann aber sofort zurück zu mir und meinem nächsten Schritt mit Pepita. 2. Wenn Pepita nicht macht, was ich als nächstes wünsche, braucht es eine ganz leichte Steigerung an Eskalationsstufen. Maike gefiel der Begriff „Eskalation“ nicht, ich suche noch nach einem anderen Begriff. Wenn ich mit Pepita losgehen möchte, sage ich ihr das, schnalze ggf. kurz. Wenn sie stehen bleibt, gehe ich, ziehe leicht an der Führleine. Wenn das nichts bringt, wedele ich kurz mit der Führleine an den Hinterbeinen. Das klappt meist, Pepita geht los. Das Wedeln ersetzte Maike am Folgetag mit einem Ast, was es mir deutlich leichter machte. In einer Hand die Führleine, mit der anderen Hand das Ende der Führleine wedeln, überstieg meine Körperkoordination: Beim Wedeln dreht ich mich meist in Richtung Pepita. Bei Aufforderungen loszulaufen sollte ich aber in der gleichen Richtung wie Pepita stehen. Das war mit dem Ast deutlich einfacher. Maike: Gerade stehen und Ausatmen vor lauter leichter Anspannung bei der Arbeit mit Pepita nicht vergessen. Für so etwas hat Maike einen unglaublich guten Blick. Sie lief vor mit, schaute kurz zu mir, meiner Haltung, ich hörte 2 – 3 x „Ausatmen“, hatte es verinnerlicht. Es klappte.

Aus einem Facebook-Post: Magische Momente mit den Pferden 🐎 Nach den Füttern striegelten Kati, Malu – eine suuuperliebe 17–Jährige, die gerade länger auf der Quinta ist, Olaf und ich einige Pferde. Wir arbeiteten dann mit Guru, einem seit wenigen Wochen auf der Quinta in der Herde lebendes Muli, Gaio und Pepita auf dem Sandplatz. Ich lief mit Pepita einige Runden. Ich stand mit ihr einfach nur da, sie leckte ausgiebig meine Hände, mein Gesicht, ich genoss ihre Liebeszuwendungen und den engen Kontakt. Zum Abschluss saß ich mit Kati in einer Ecke, Guru stand dicht bei uns und genoss es, an den Beinen abgetastet, gestreichelt und leicht massiert zu werden. Es stellte sich bei mir ein extrem tiefes, zufriedenes und hoch erfülltes Entspannungsgefühl ein, fühlte mich weichgespült. Ein einzigartiger ganz tiefer, positiver Zustand. Danke liebes Schicksal, dass ich das erleben darf. Danke Kati, danke Olaf 🥰

Facebook-Post am Folgetag: Tiefenentspannung Teil 2. Spaziergang mit Maike und den Vierbeinern Kiki, Pepita, Alfons und Magic. Einige Hinweise von Maike, was ich dafür tun kann, damit Pepita entspannt neben mir läuft, sehr hilfreich und zielführend. Wir waren 2 Stunden unterwegs, die Pferde hatten Gelegenheit, Gras zu Fressen. Es sind die letzten Tage bis wenige Wochen, dass es Grün auf dem Boden gibt. Die Temperaturen steigen, es wird sehr wahrscheinlich trocken. Lieben Dank Maike, Kiki, Pepita, Magie und Alfons für die wunderbaren Stunden.

Es folgen weitere Bilder von den Pferden. Es reicht mir gefühlt nicht mehr aus, morgens beim Füttern zu helfen. Ich möchte die Pferde öfter sehen. Ich werden in den kommenden Tagen meine Konzentration auch auf Utz richten, der es genießt gestriegelt zu werden. Kati plant eine Weiterbildung zum pferdegestützen Coaching. Passt. Super.

Hunde. Die ersten Tage war Jojo, ein Sohn von Lui, auf der Quinta. Der Besitzer von Jojo kann ihn auf die Quinta bringen, wenn er einige Tage weg möchte. Selbstverständlich sind die Hunde wichtig, für mich neben den beiden Schweinen und den Katzen die wichtigsten Lebewesen hier. Ich werde ab Freitag vermutlich öfter die Hunde um mich herum haben, da Kati und Stan eine gute Woche selbst in den Urlaub fahren (Surfen in Nordspanien). Das heißt, dass die Hunde abends und Nachts nicht bei Kati im Container sind, sondern im und um das Hauptgebäude. Ich vermute, dass mindestens 1-2 Hunde bei mir im Bett schlafen, die anderen im Wohnzimmer. Ich werde sehen, was passiert, lasse – wie jetzt schon – die Tür des Gästezimmers offen. Momentan mache ich das für die Katze Alma. Sie kann dann frei entscheiden, wo sie schläft und ob sie in Stimmung ist, Nachts auf meinem Körper herumzuspazieren. Kati und Stan hauen ab. Es sei ihnen gegönnt, gleichwohl gefällt mir das nicht. Ich werde beide sehr vermissen. Heute werde ich noch eine Übergabe von Kati bekommen, welche Aufgaben, wann anstehen: Schweine und Hunde füttern, Carlos, dem Esel, nachmittags sein Spezialfutter geben usw.

Auf einer Autofahrt sprach ich heute mit Olaf über die weitere Zeit und die Zeit danach. Sollte Fliegen dann gehen, dachte ich an September als nächste Zeit hier. Jetzt da die Zeit so schnell fließt, kann ich mir das nicht vorstellen. Viel zu spät. Juli? Dann September. Dann Weihnachten. Wäre 5 x. Gefällt mir.

Deutschland. Weiter weg als gut 2000 km. Ein anderes Leben. Sobald ich hier bin, kommt mir der Blick auf mein Leben dort als ein „Geld-verdienen-für-die-nächste-Zeit-hier“ vor, nicht viel mehr. Soll nicht heißen, dass ich nicht auf Sirius und manche Menschen dort vermisse. Halt ein zweigeteiltes Leben. So – das Leben hier geht weiter. Laptop aus. Tschüss.