Mai-Quinta | 2026 – DREI
02 Juni 2026
Vor 11 Tagen bin ich nach Deutschland zurückgeflogen. Es kommt anders als geplant. Ich schrieb im 2. Post zur Auszeit: „Auf einer Autofahrt sprach ich heute mit Olaf über die weitere Zeit und die Zeit danach. Sollte Fliegen dann gehen, dachte ich an September als nächste Zeit hier.“ Nachdem ich das schrieb, sprach ich noch mit Kati, bevor sie mit Stan die Quinta zu einem Surf-Urlaub in Spanien verließ. Sie fragte, ob ich eventuell Ende Oktober auf die Quinta kommen könne, da sie dann erneut für eine gute Woche selbst in den Urlaub möchte und es ganz gut ist, wenn Olaf und Maike Unterstützung bei der Tierversorgung erhielten. Keine Frage, ich wäre bereit dazu. Dann wäre allerdings September zeitlich zu dicht dran. Kurz hin und her überlegt, mit Meik gesprochen, stornierte ich an dem Tag meiner Rückkehr mein Zugticket für meine Rückfahrt von Stuttgart nach Hannover. Mitte Juli werde ich ein verlängertes Wochenende bei der Jazzopen in Stuttgart sein und am Sonntag ein Konzert von Moby besuchen. Der Rückweg wird jetzt nicht mit dem Zug nach Hannover führen, sondern vom Flughafen Stuttgart nach Faro: 2,5 Wochen. Schon krass, schon privilegiert, so oft nicht zu arbeiten und in meiner Wahlheimat zu sein – 7 Wochen Arbeit, dann wieder Quinta. Werden es 2026 fünf Mal, dass ich an der Algarve bin?
Ich beginne den bebilderten 3. Post zur Auszeit mit einer Angelegenheit, die Portugal mit Hannover verbindet. Auf dem Titelbild des Posts ist zu sehen, wie ich ein Bild des portugiesischen Künstlers Jorge Pareira abhole. Es war Teil einer Ausstellung in der Carambarbar, die ich Ende 2025 besuchte. Zwischendurch klärte ich den Kauf des Bildes mit dem Künstler und der Besitzerin der Carambarbar. Ferner brachte ich in Erfahrung, dass der Transport des Bildes per Post oder Spedition nach Deutschland um 250 Euro kosten würde. Als ich dieses Mal auf der Quinta ankam, spiele mir der Zufall in die Karten: Ich schaute vor meiner ersten Nacht auf der Quinta aus dem Fenster des Gästezimmers und sah einen VW-Bulli mit einem Hannover-Kennzeichen. Am Anfang meiner Zeit auf der Quinta war dort eine Familie zu Gast. Später klärte ich mit ihnen, dass sie mein Bild per PKW nach Deutschland transportieren werden, was sie taten. Pfingstmontag – nach meiner Rückkehr holte ich das Bild ab. Derzeit mache ich in meinen Praxisräumen quartalsweise wechselnde Ausstellungen einzelner Künstler meiner Kunstsammlung. Praktisch, das ein oder andere Kunstwerk kann ich so von der Steuer absetzen.


Rückblickend schreibe ich zur letzten Auszeit über „Pferdegeschichten“, „Malu“, „Besuch bei Miri“, „Zeit ohne Kati“ und „Katzengeschichten“.
Pferdegeschichten
Ich beschäftigte mich weiter intensiver mit meiner geliebten Pepita. Malu kümmerte sich viel um das Muli Guru. Guru und Pepita sind in eine engere Beziehung geraten. In einer Pferdeherde gibt es individuelle Beziehungen, die Vierbeiner entscheiden selbst, zu welchem anderen Vierbeiner sie eine engere Beziehung entwickeln. Pepita und Guru entschieden sich.



Malu
Über Malu schrieb ich bereits in 2. Post. Sie bereicherte meine Zeit. Eine tolle, junge Frau, die sehr gut und angstfrei mit den großen, kräftigen und wunderbaren Vierbeiner umgehen kann. In der Auszeit wurden die Vierbeiner tagsüber zum Grasen auf das Gelände um das Hauptgebäude herum gelassen, das Tor zum Grundstück war dann immer geschlossen. Es waren die letzten Wochen vor Beginn der Trockenheit, in denen noch Gras wuchs. So war es nach 16 Uhr immer die Herausforderung, die Herde wieder zurück vom Hauptgebäude auf ihre Fläche jenseits des Gebäudes zu bewegen. Pferde können störrisch sein und möchten dann ihren Kopf durchsetzen. Malu wusste genau, wie es geht und welches Pferd sie sich nehmen und die Strecke führen muss, damit die anderen Pferde dann von alleine folgen. Ich wartete mehrfach an der Absperrung zum Pferdeareal auf die ankommenden Pferde und ließ sie – von Malu angeführt – durch.








Neben der Pferdearbeit war Malu dafür verantwortlich, dass ich während dieses Aufenthaltes recht oft am Strand war. Als recht hellhäutiger Mensch wolle Malu während ihrer letzten Quinta-Tage noch Sonne tanken und etwas Zeit an Stränden verbringen. Da sie noch keinen Führerschein hatte, ich sehr gerne Zeit mit ihr verbrachte (unglaublich unkompliziert, Zeit zusammen schweigen, Zeit mit Gesprächen anfüllen, etwas voneinander erfahren) und ich auch mein neues Bodyboard ausprobieren wollte, waren wir ab und zu an einem Strand. Mal zu zwei, mal mit Olaf zusammen, mal mit den Hunden…










Es gab in meiner Zeit einen Wetterumschwung: Anfangs tagsüber bedeckter Himmel, abends auch etwas frischer. In der 2. Hälfte dann deutlich wärmer, sonniger, abends mit kurzer Hose auf der Terrasse. Es deutete sich die trockene Jahreszeit an. Oft zu trocken.
Zwei Tage vor meiner eigenen Rückreise fuhr ich Malu früh morgens für ihre Abreise nach Faro. Auch hier zeigte sich das Wesen von Malu: Sie schien ein kleines bisschen bezüglich des Fluges alleine aufgeregt, es reichte aus, ihr am Flughafen angekommen zu sagen, dass alles in der Abflughalle sehr übersichtlich ist und sie den Weg finden würde. Sie ging unerschrocken los und kam dann auch in Deutschland an. Ich bin mir sicher, dass ich sie wiedersehe, wahrscheinlicher auf der Quinta als in Deutschland. Sie wird zurückkehren. Bald. Sie malte sich bereits aus, nach dem Erwerb ihres Führerscheines ihren Vater zu bitten, den Familinencamper zu nehmen und sich auf den Weg nach Portugal zu machen. Hallo? Nach Führerscheinerwerb mit einem größeren Auto mehr als 2000 km ins Ausland fahren? Nicht viele 17-jährige Menschen würden sich das so ausmalen, sonders eher angstvoll von solchen Fantasien zurückschrecken – nicht Malu.
Ich nutzte den Vormittag nach dem Transfer nach Faro für eine gemütliche Rückfahrt: Frühstück in Faro, Aufenthalt, Chillen und Sonnenbaden am Praia Grande de Pêra. Generell zieht es mich nach Ausflügen weg von der Quinta spätestens am frühen Nachmittag zur Quinta, meinem Sehnsuchtsort zurück. Immer wieder das Gefühl, nach Hause zurück zu kehren. Ich werde nicht müde, zu fühlen und auszusprechen, wie sehr ich die Quinta mit ihren Zwei- und Vierbeinern liebe. Erfüllend. Was ist Glück? Abends von vielen Eindrücken des Tages im Gästezimmer einzuschlafen, um spätestens 7 Uhr wach werden und den Tag bei Sonnenaufgang mit Kaffee und Kippe auf der Terrasse zu starten…


Jetzt ist gerade Dienstagvormittag in Deutschland. Es ist auch Glück, dass ich in den letzten Monaten meine Arbeitszeit reduzieren zu können und mehr Zeit mit Siriusspaziergängen, Posten, Zeit in der Wohnung verdaddeln, Musikhören und mich mit Musikproduktion zu beschäftigen. Es nützt nichts. Ich werde gleich duschen, mit Sirius eine erste Runde drehen, frühstücken, ein wenig Schreibtischarbeit (Portugiesisch-Lernen, Arbeitskram) machen. Mein Arbeitstag beginnt dann um 13:45 Uhr. Es fühlt sich sehr nach Teilzeitarbeit an.
Besuch bei Miri
Es ist soweit alles erledigt, ich habe auch etwas Portugiesisch gelernt. Ich habe jetzt allerdings keinen Antrieb, etwas für die Arbeit zu machen, begebe mich lieber in die schönen Erinnerungen ans letzte Mal. Ich habe auch wieder Miri getroffen, war mit Malu bei ihr zum Kaffeetrinken. Miri hatte zuletzt Probleme mit einem Rattenpaar, das sich unter ihrem Haus einrichtete und das sie vom Schlafen abhielt. Sie hat es geschafft, die Ratten mit einer speziellen Nussmischung in einer Lebendfalle einzufangen und hat sie einige Kilometer entfern ausgesetzt. Es gab ein weiteres Problem: Jede Menge Spatzen hatten sich in Spalten in der Dachkonstruktion ihres Hauses eingenistet. Und ja – wenn man sich längere Zeit auf ihrer Terrasse aufhält, kann das ständige Rumgepiepse und Geflattere der Vögel schon nervig werden. Der Plan ist nach der aktuellen Nistsaison die Spalten zu schließen, damit die Vögel woanders Heimat suchen. Irgendwie traurig, aber notwendig. Schalbennester an Gebäuden in Portugal ist noch ein ganz anderes Thema. Sie machen einfach viel Dreck.
Miri ist hinsichtlich der Veröffentlichung von Bildern, auf denen sie sichtbar ist, deutlich kritisch, was ich respektiere. Hier gleichwohl ein paar Bilder des Nachmittags.



Aus dem letzten Bild habe ich mal fix eine Werbung generiert. Würde Birkenstock vermutlich nutzen 😉


Miri hat ihre Terrasse und das Gelände um das Haus herum wunderbar begrünt, viel Arbeit.

Zeit ohne Kati
Die Auszeit war auch davon geprägt, dass Kati in der 2. Hälfte meiner Zeit in Portugal weg war. Vor längerem hatte ich ihr mehrfach angeboten, auf die Quinta zu kommen, wenn sie oder Olaf weg möchten. Klar, sie bekommen solche Zeiten immer auch alleine in Zusammenarbeit mit Maike und anderen geregelt. Die Quinta als Gesamtprojekt hat wirklich viele Verpflichtungen (Tier- und Gästeversorgung, Arbeiten ums Haus herum und auf dem Gelände usw.). Ich liebe diese Arbeiten und möchte auch etwas Praktisches zurückgeben, wenn ich auf der Quinta bin. Es ist eben etwas anderes als Urlaub. Nach Hause zur Familie fahren – und da beteiligt Mensch sich. Kati nutzte mein Angebot dieses Mal. Sofort nach ihrer Abreise vermisste ich sie schon. Nun allein mit dem alten Mann, der jungen Frau und den vielen Tieren. Es war ok. Es war gut und zugleich war ich voller Vorfreude auf zukünftige Zeit mit meiner Schwester Kati. Auch Stan vermisste ich.
Ich liebe es, den Pickup von Olaf zu fahren. Bei einer Tour fuhr ich Batterien für einen Elektrozaun auf den Berg, raste dafür mit bis zu 100 Stundenkilometern eine recht steile Sandpiste aufwärts, fuhr Müll weg und hielt kurz vor der Carambabar, um den Abtransport meines Bildes zu koordinieren.



Das letzte Bild zeigt ein neues Werk von Jorge Pareira, das jetzt in der Carambabar hängt. Ich hatte in der katifreien Zeit auch Gelegenheit, mal alleine an einen Strand zu fahren.




Die Auszeiten sind immer wieder auch von einer Reduzierung bis hin zu Abschaltung meiner libidinösen, körperlichen Gelüste geprägt. Echt auch erholsam. Schon auch anstrengend, wenn in Deutschland im Sommer Kerle mit wenig Bekleidung öffentlich unterwegs sind, halt eine Anziehung. Bin halt auch nur ein Mann, ein Mensch mit einem Körper, der nach Beischlaf ruft. Bei aller Triebdämpfung tauch dann doch mal ein Kerl auf, wenn ich gerade den Blick auf das Wasser und die Felsen genieße. „Hallo, soll ich Dich von oben bis unten mit Sonnencreme einreiben?“ Nein. Schon gut. Dann geh Deines Weges und genieße den Moment…
Auch mit Olaf war ich am Strand alleine unterwegs. Chillen, Bodyboard ausprobieren, Zeit mit Olaf genießen.


Die Hunde waren in Katis Abwesenheit häufiger auf der Terrasse, verbrachten die Nächte bei Malu und in der Wohnung von Olaf. Nach Malus Abreise hatte ich nachts bis zu drei Hunde im Bett. I love it.


Lui schien Kati auch zu vermissen, hält sie Ausschau nach ihr?

Katzengeschichten
Seit Paula nicht mehr arbeitet, hat sie anscheinend noch weniger Zeit. U.a. engagiert sie sich ehrenamtlich bei einer Frau, die eine Ar Tierheim betreibt: Bis zu 200 Katzen, einige Hunde, 2 Ziegen und ein Esel leben dort. Der Besitzer des Geländes wollte verkaufen, das Projekt war in Gefahr. Kurzerhand kaufte die Gemeinde das Gelände und stellt es für das Projekt zur Verfügung. Eine schöne Geschichte. Ich fuhr mit Olaf mit jede Menge Katzenfutter im Gepäck zu Paula, besuchten sie bei ihrer tollen Arbeit.











Wie immer suchte ich Adrian auf. Olaf fuhr mit und ließ sich auch etwas die Haare kürzen.

Abschluss
Wie immer schien die Zeit schneller als anfangs in der Sanduhr zu rinnen. Stan kehrte vor Kati auf die Quinta zurück, musste auch wieder arbeiten. Am letzten Abend machte ich mit ihm noch einen Spaziergang durch Barão de São João. Schon ein kulturelles Örtchen. Musik, Bilder, Skulpturen, Kino… viel möglich hier. Und der Ort wird sich verändern. Es gibt aktuell ein großes Bauprojekt. Auf einer sehr großen Fläche, die derzeit vorbereitet wird (Kanalisation, Leitungen usw.) sollen Häuser gebaut werden. Das Areal erscheint so groß, dass bestimmt 100 Menschen hier ihre Heima finden. Ich hoffe sehr bezahlbar und für Portugiesen und nicht nur für zahlungskräftige Ausländer.





Es folgen abschießend Bilder, die ich noch nich unergebracht habe. Portugal – ich liebe Dich. Quinta Panoramica – ich liebe Dich. All Ihr Zwei- und Vierbeiner – ich liebe Euch. Insbesondere Olaf, Kati, Stan und Maike gilt meine Dank, dass ihr mich erneut so wunderbar in Eurer Mitte aufgenommen habt. Im Rückblick gibt es auch… hm… schwierige Gefühle, die sich um Diskrepanzen zwischen Menschen drehen. Und ich dazwischen. Ich führe es nicht aus, nur soweit: Das Leben besteht nicht nur aus Sonnenschein. Wolken, trübes Wetter, Dunkelheit und Schatten gehören dazu. Es gilt, damit gut umzugehen und etwas daraus zu machen. Ich bin wie immer zweckoptimistisch, dass uns das gelingen wird. Was wäre ich ohne Quinta. Sie gehört inzwischen in mein Leben, wie die Tattoos auf meinem Körper. Untrennbar. Auch bei materiellen Trennungen bleiben die Spuren für immer in meinem Körper, meinem Herzen und meiner Seele. Große Liebe.




Até breve, tenho saudades.


