Quinta-XMas 2025 – EINS
24 Dez. 2025
Den Blog zu meiner 25. Auszeit auf der Quinta Panoramica habe ich mehr als ein halbes Jahr danach erstellt. Es ist ein Rückblick. Ich habe den Rückblick in 2 Posts (EINS und ZWEI) mit folgenden Überschriften organisiert: „Quinta-XMas 2025 – EINS“ mit den Überschriften Xmas, Pferde, Hunde. „Quinta-Xmas 2025 – ZWEI“ mit den Überschriften Unterwegs, Strand, Carambabar, Quinta, Zurück-in-Berlin.
Xmas

Nach Weihnachten 2021, 2022 und 2024 verbachte ich 2025 zum vierten Mal Weihnachten auf der Quinta.
Weihnachten steht heute für mich für Nicht-Arbeiten, Zeit mit guten Menschen verbringen, zusammen Essen, sprechen und zudem für Ruhe, Abstand und sich ab und zu besinnen. Dann vielleicht auch mal kurz traurig werden. Geschenke und der religiöse Hintergrund spielen für mich eine untergeordnete Rolle. Wie die Quinteraner wissen, bin ich auch ein wenig „Grinch“. Schon lange schaue ich irritiert bis ablehnend auf Menschen, für die Weihnachten Stress bedeutet, die wochenlang viel Geld für große Geschenke ausgeben, gestresst danach suchen, um sich in einem scheinbaren Wettkampf „wer schenkt am meisten und am tollsten“ wiederfinden. Menschen, die nicht religiös sind. Fast absurd erscheint es, wenn Muslime in Deutschland Weihnachten feiern. Weihnachten war auch viele Jahre kein Fest der Familie. Lange stand ich meiner Familie kritisch gegenüber (auch grinchy), inzwischen ist sie fast weg: Meine Eltern leben nicht mehr, die Geschwister meiner Mutter auch nicht mehr, zur väterlichen Familie gibt es große Distanz, ich weiß nicht mal, wer da noch lebt, meine beiden Brüder leben weiter weg von mir, auch davon gekennzeichnet, dass in unserer Familie lange Zeit eher distanzierte Beziehungen bestanden. Letzteres verändert sich in den letzten Jahren. Wir Brüder besinnen uns immer mehr auf unser „Brudersein“ zurück, haben mehr Kontakt, was mich sehr freut. Ich habe dem zu Folge auch einige Weihnachtsfeiern bei meinem Bruder in Berlin verbracht. Es ist schon folgenotwendig, dass ich anfing, Weihnachten auf der Quinta zu verbringen: Olaf, Kati und Stan sind meine Familie geworden bzw. ich wurde in die Familie aufgenommen. Mein erwähltes, vom Schicksal so konstelliertes zuhause.
Olaf und Kati haben in dieser Zeit meistens keine „Touri-Gäste“ in den beiden AirBNB-Appartements, sondern Freunde. Weihnachten 2025 waren Rebecca und Britta aus Hamburg dabei. Ich habe es als ein deutlich anderes Weihnachten kennenlernen können – nicht dunkel, Schmuddelwetter, abends feiern: Heiligabend werden auf der Quinta die Hunde eingesammelt, Kaffee, Kekse und Sekt eingepackt – ab geht es mittags an den Strand. Die Sonne scheint, warm genug, um wenig bekleidet im Sand zu sitzen, der Blick aufs Wasser, den Horizont oder miteinander sprechen, mit den Hunden kuscheln. Surfbretter oder Bodyboards dabei, Winterneo an – es geht dann auch ins Wasser. Mitten im Dezember Weihnachten im durchaus kühlen Wasser zu sein – hat sich bei mir eingebrannt. In diesem Jahr war es dann nicht der Sandstrand, sondern die kleine Promenade Praia do Zavial. Kurz im Wasser. Es wird kurz vor Weihnachten zusammen eingekauft, tagelang wird vorgekocht, ab Heiligabend können dann die Gerichte recht schnell vorbereitet werden. Es werden kleinere Geschenke gemacht, meine häufige Haltung „Ich schenke nichts und möchte nicht geschenkt bekommen“ ziehe ich inzwischen nicht mehr durch. Es gibt Kleinigkeiten. Die Weihnachtsfeiertage gehen auch ruhiger an, als „normale“ Quintatage. Abends wird dann zusammen gegessen, getrunken, gespielt.
Pferde

Pferde, Mulis und Esel haben die Quinta im Griff. Sie leben in einer Herde auf dem großen Gelände, werden täglich gefüttert, verschlingen einiges an Geld. Tierarzt- und Hufschmiedkosten kommen dazu. Seit einiger Zeit nähere ich mich den kraftvollen, großen Tieren immer mehr an, interagiere mit ihnen. Seit Oktober trage ich Pepita auf der Brust, habe die Finanzierung von ihr übernommen. Ab und zu erhalte ich von Zweibeinern Lerneinheiten: Ich lerne die Vierbeiner lesen, die Kommunikation und Beziehung der Vierbeiner untereinander und vieles mehr. Großartig. Ich bekomme in Alltagssituationen bei der Arbeit für die Vierbeiner mit, dass es auf der Quinta unterschiedliche Haltungen bezüglich diverser Aspekte einer angemessenen Pferdehaltung gibt: Ich kann z.B. ein Pferd sehr unterschiedlich dazu motivieren, das zu tun, was ich in einem Moment von ihm möchte. Übereinstimmend scheint zu sein, dass das Pferd vorgibt, was passt, nicht der Mensch. Der Mensch reagiert auf das Pferd, liest es. Das braucht Zeit, Geduld und Kenntnisse über die Psychologie und Wesensart der Vierbeiner. Es gibt unendlich viel zu lernen.
Pepita bekommt von mir inzwischen etwas mehr Aufmerksamkeit als andere. Es entsteht eine Bindung zu ihr, die wechselseitig ist. Wie Hunde haben Pferde dafür ein Gedächtnis: Es ist aufgrund meiner forcierten Zuwendung kein Zufall, dass sie auch nach meiner monatelangen Abwesenheit auf der Quinta sofort auf mich reagiert, sobald ich wieder da bin. Sie kommt zu mir, begrüßt mich. Oft kommt sie nach dem morgendlichen Füttern zu mir und verlangt Aufmerksamkeit, möchte gestriegelt werden. Irgendwann reicht es ihr und sie geht.
Die Vierbeiner kennen die Zeiten der Fütterung, sind in der Nähe, wenn jemand um 8:30 Uhr, manchmal ist es 8 Uhr, mit dem Wasser-Pickup, auf dem die Eimer mit dem Futter stehen, auf dem Berg ankommt. Immer der gleiche Ablauf: Jedes Pferde, Muli oder Esel hat seinen vertrauten Platz, an dem der Futter-Eimer hingestellt wird. Wenn die Eimer verteilt sind, werden die Vierbeiner zu ihrer Futterstelle geleitet, es funktioniert gut. Ein sehr friedlicher Moment: Alle fressen, es ist ruhig, Zeit für kurze Entspannung. Ab und zu gilt es, z.B. Alfons – der Kleinsten und Frechste von allen – davon abzuhalten, sich an „fremden“ Eimern zu bedienen. Nach dem Füttern und bei passendem Wetter passiert es nicht selten, dass die Vierbeiner erst mal längere Zeit einfach nur in der Sonne dastehen, verdauen, chillen und scheinbar im stehen dösen. Ein erfüllender Moment.
Hunde und andere Vierbeiner
Weitere Vierbeiner, die die Quinta bevölkern ist das Hunderudel, Katzen und die Schweine Dolly und Shelly. Zu Katze Alma hat sich inzwischen auch eine besondere Beziehung entwickelt. Allerdings erscheint die Beziehung anders motiviert: Alma ist die „Hauskatze“ des Quinta-Hauptgebäudes (Olafs Wohnung und die beiden Appartements). Ab und zu ist Alma draußen unterwegs, viel Zeit verbringt sie im Gebäude. Und wenn ich vor Ort bin okupiere ich oft quasi ihr Zimmer – das Gästezimmer von Olaf. Sie schläft dann oft nachts bei mir. Sie ist eine Katze, die gerne auf dem menschlichen Körper einschläft. Auch wenn Mensch auf der Seite einschläft, legt sich Alma auf Mensch, schläft oben trohnend dort ein, wenn Mensch es zulässt. Das Hunderudel bekommt während meiner letzten Aufenthalte etwas weniger Aufmerksamkeit von mir. Etwas seltener liege ich mit Hunden kuschelnd auf dem Boden. Weiterhin gehört zum Morgenritual, dass das Hunderudel am Hauptgebäude auftaucht, wenn Kati, wo die Hunde schlafen, aufgestanden ist.
Das Hunderudel war während dieser Auszeit zeitweise erweitert: Coco, eine Tochter von Lui, die jetzt bei Rebecca in Hamburg lebt, war mit Rebecca da. Jojo, ein Sohn von Lui, wird ab und zu von der Quinta in Obhut genommen, wenn die Halter von Jojo, die in der Nähe leben, mal eine Woche ohne Hund weg fahren. Auch er war da. Und ab und zu kommt Ferdinand, ein hübscher kleiner Rüde, der in der Nähe lebt, zu Besuch. Ferdinand ist einer der Rüden, die Lui und Lea schwängerte, Vater einiger Hunde. Es scheint so, dass Ferdinand Lui oder Hase ab und zu für einen längeren Ausflug abholt. Es kommt vor, dass z.B. Lui stundenlang mit Ferdinand unterwegs ist. Da Lui ab und zu einen Tracker am Halsband hat, zeigt sich, dass sie auch mal 30 km lange Ausflüge macht. Wenn sie dann nach einem halben oder ganzen Tag wieder auf der Quinta auftaucht, ist sie kolossal erschöpft und ruht erst mal einen Tag aus.
Zum Abschluss dieses Posts schreibe ich ein paar Gedanken über Tierliebe zusammen, die mir in der Pause des Schreibens beim Gang mit Sirius in Hannover – Brötchen holen und erste Pipirunde für Sirius – durch den Kopf gingen.
Es fühlt sich manchmal so an, dass ich mit zunehmendem Alter tierliebender und menschenablehnender werde, hm, „fühlt sich so an“ ist zu milde formuliert – es ist so für mich. Was ist die Geschichte dazu? Es mischen sich die Lebensgeschichten von Olaf, Kati auf der Quinta mit meiner Lebensgeschichte.
In meiner Geschichte gab es verschiedene Hunde, die in meiner Familie lebten. Mein Bruder Christian hatte Katzen. Im Grundschulalter und danach hatte ich über Freunde Kontakt zu Pferden. Eine Zeitlang war ein Pferdehof mein Spielplatz. Zum Reitsport führte das nicht, ich erinnere mich an eine 10er Karte Reiten, die ich nutzte. Nach Auszug aus dem Elternhaus hatte ich viele Jahre keinen direkten Kontakt zu Haustieren. Es war 2014 „Zufall“, dass sich die Wege zweier Lebenswelten – meine und die Welt der Quinta-Familie – kreuzten, als ich das erste Mal – seinerzeit mit Meik, der wie die Menschen und Tiere der Quinta eine sehr besondere Bedeutung in meinem Leben hat – auf der Quinta landete. 2015 kam Meiks und mein Hund Sirius auf der Quinta zur Welt, Meik und ich holten ihn nach Deutschland. Beim heutigen ersten Gang aus dem Haus mit Sirius wurde für mich spürbar, dass ich Wert darauf lege, dass Sirius ausreichend lange auf dem Weg herumschnüffeln kann, während ich stehen bleibe, ihn anschaue und ich meine Liebe diesem Hund gegenüber spüre. Er unterbricht mein Vorhaben, mal eben schnell Brötchen zu holen. Er gibt den Takt vor. Mir kam sofort „die Tiere auf der Quinta haben die Menschen im Griff“ in den Sinn. Das Wohlergehen von Sirius hat für mich oftmals Vorrang. Die menschlichen Bewohner der Quinta dienen den Tieren. Oft wird dieser Gedanke dort auch ausgesprochen. Jedes Tier, das auf der Quinta aufgenommen wird, bedeutet Verantwortung für das Tier, bedeutet, dem Tier ein gutes, möglichst artgerechtes Leben zu ermöglichen. Dafür braucht es bei den Menschen eine Voraussetzung: Tierliebe.
Tierliebe ist weniger statisch als Haarfarbe oder Körpergröße. Beides bleibt über lange Zeit quasi wie eine Persönlichkeitseigenschaft stabil, ändert sich dann aber auch ein wenig: Haare werden grau oder gehen aus, mit 70 bin ich wenige Zentimeter kleiner als noch mit 30. Viele Eigenschaften, Haltungen, Überzeugungen und Werte eines Menschen, z.B. Tierliebe verändern sich möglicherweise stärker: Die in der Kindheit und Jugend durch Genetik und Lebenserfahrungen geprägte Haltung verändert sich durch fortlaufende Erfahrungen. Wie dankbar bin ich und wie gut fühlt es sich an, 2014 auf der Quinta gelandet zu sein. Mehr als 12 Jahre Zeit von vielen Erfahrungen und Zeiten, die mich verändert haben, die meine Tierliebe deutlich vergrößert haben. Zu meiner zunehmend menschenablehnenderen Haltung und Überzeugungen schreibe ich jetzt nicht weiter. Ich deute nur an, dass mir der Gedanke, den viele Menschen haben, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist, fremd ist. Oftmals empfinde ich es eher so, dass der Mensch als Gattung eine Fehlentwicklung der Evolution ist. Abschließend zu meinem Verhältnis von Tier- und Menschenliebe möchte ich noch erwähnen, dass es mit Blick auf Mensch eine andere Entwicklung bei mir gibt: Bei aller „Menschenkritik“ bekommen nahe soziale, menschliche Kontakte eine größere Bedeutung, wirken möglichen psychischen Zuständen von existentieller Einsamkeit entgegen: Freundschafen werden wichtiger. Familie wird wichtiger. Der Kontakt zu meinen Halbbrüdern ist in den letzten Jahren mehr und wärmer geworden. Ich wurde und werde zunehmend in die menschliche Quinta-Familie integriert. 2014 wurde ich von der Quinta-Familie „adoptiert“. Olaf ist gefühlt Freund und Vater für mich. Kati Freundin und Schwester. Stan als Partner von Kati Freund und Schwager. Meine „Wahl-Familie“, zu der dann auch Maike, die auf der Quinta lebt und sich viel um die Vierbeiner kümmert, gehört. Ich liebe meine Familie.
Die Geschichte der Tierliebe von Kati und Olaf erlebe ich immer wieder, wenn ich dort bin. Bezüglich der Lebensgeschichte der Familie Linke weiß ich allerdings nicht viel. Ich meine mich zu erinnern, dass Kati bei ihrer Auswanderung nach Portugal eine Katze mitbrachte. Ich weiß nicht, was es für Haustiere früher bei der Familie, als sie noch in Deutschland lebte, gab. Ich weiß, dass Olaf in seinem vergangenen Leben in Deutschland nichts mit Pferden zu tun hatte. Umso beeindruckender und spannender finde ich es, dass er im „Rentenalter“ nach Weggang aus Deutschland in die Pferdewelt kam, über viele Jahre wichtiger Bestandteil von Algarvehorsealarm, die u.a. notleidende Pferde aufnahmen, war. Wieviel Kati mit Pferden in ihrem vergangenen Deutschlandleben zu tun hatte, weiß ich nicht. Ob ihre Familie in der Deutschlandvergangenheit Haustiere hatte, weiß ich nicht.
Gelegentlich bin ich nachtragend. Ich trage frisch angekommene Informationen über die Tiergeschichte von Kati nach, die sie mir heute per Sprachnachricht zukommen ließ. Ich fragte sie einige Tage zuvor. Weihnachten 2011 wanderte sie mit dem Kater Gustavo nach Portugal aus. Inzwischen ist Gustavo, den ich noch kennenlernte, gestorben, er wurde bei den gestorbenen Hunden der Quinta begraben. Lotte, die Mutter von Sirius, kam im Dezember 2011 in Deutschland oder Spanien zur Welt. Ihr Welpenleben hatte sie in Leipzig, am 8. Februar 2012 hat Kati sie dann als Junghündin nach Portugal mitgenommen. Das erste Pferd auf der Quinta Panoramica war Matrix, der vorübergehend auf der Quinta blieb. Vermutlich war dann auch der Esel Carlos und ein weiterer Vierbeiner dabei. Im Laufe der folgenden Jahre kamen weitere Hunde, Katzen, Pferde, Esel, Mulis und dann noch 2 Schweine dazu. Menschen, die ihren Lebensraum mit immer mehr Tieren teilen, die Tiere aus vorher schwierigen Lebensumständen bzw. Haltungen retteten, ihnen ein möglichst artgerechtes Leben schaffen, können nur tierlieb sein. Kati und Olaf sind es. Auch dafür liebe ich die beiden…
